Tagesablauf aus Ihrer Perspektive


 

 

Ein Einblick in einen ganz normalen Ananda-Dham Tagesablauf der etwas anderen Art…

 

Rascheln, tapsen, ein Huschen von hier nach dort. 

„He, Da bist du ja wieder! Schön, dass du es wieder einmal ins Haus geschafft hast. Welch eine Freude dich zu sehen, ich hatte schon etwas Sorge, dass du zu den Ausgesetzten gehört hast, die den Berg runtergetragen wurden. Doch auch wenn, ich rufe ja jedem der geht, meine Namen hinterher und berühre sie still und leise im Herzen. 

Komm Tempel-Mäuschen, komm noch ein wenig näher und bleib ein Weilchen.“

 

Es ist mitten in der Nacht, der ein oder andere befindet sich noch in der Tiefschlafphase, doch manche, ja manche sind bereits erwacht. Eine friedvolle Stille liegt in der Luft, das Rauschen des Baches vermischt sich mit den leisen Gebeten die von allen Seiten zu mir strömen.

 

Manchmal, da kann ich es nicht sein lassen, flüstere ich den noch Schlafenden meine Namen ins Ohr, setze ihnen Bilder ins Herz und sage, wie sehr sie erwartet sind. 

 

Die Küchentür öffnet sich, da kommt wer die Treppe hoch: „He kleines Mäuschen, jetzt aber schnell, nichts wie weg, doch, komm bald wieder.“

Ein kleines Lämpchen kommt um die Ecke, ein luschernder freudvoller Blick,  oh da könnte ich springen vor Freude, bei jedem einzelnen von euch!

 

Welke Blumen werden mitgenommen: „Danke euch, ihr zarten Wesen, fürs "Mit-Mir-Sein", fürs "Mich-Erfreuen.“ und frisch blühende Blumen werden gebracht. „Svagatam ihr Lieben, so wunderschön ist jede einzelne von euch.“

 

Da kommt wieder jemand um die Ecke, oh mit noch ganz kleinen Augen und einige Minuten später wieder jemand. So tröpfelt einer nach dem anderen von euch bei mir ein. Versammelt euch mit mir. 

Die meisten, werden mich nun auf ihrer Zunge tanzen lassen.  Bei manchen tanze ich ganz langsam und zart und bei anderen wirble ich umher, immer schneller und schneller drehe ich mich.

Und da bringt jemand, in der Ecke sitzend, sein ganz individuelles Gebet dar und offenbart mir, wie es gerade um uns steht: „oh Harinam, geliebter Heiliger Name, du und ich, manchmal läufts ganz gut mit uns und jetzt, jetzt ist es mal wieder, als liegen Welten, nein, diesmal sind es Universen zwischen uns. Wo bist du nur, wo? Ich könnte innerlich schreien vor Verzweiflung. Solch eine Sehnsucht halte ich nicht aus. Mein Herz zerreißt, da bin ich mir sicher. Jeden Augenblick muss es soweit sein.“ 

 

In vollkommener Ruhe und Stille setze ich mich genau vor dich: „Liebes du bist nicht alleine, ich lege meine Hand auf dein Herz, ich halte es zusammen, dass es nicht vor Sehnsucht zerreißen wird. Ich bin es, der so laut nach dir rief, dass es zu deinem Ruf wurde. Es ist mein Herz welches vor dem zerbersten steht. Ich bin da, ganz nah, vertraue mir.“

 

Es ist nun bereits kurz vor sechs Uhr am Morgen, langsam wird es eng in meinem Raum. Alle kommt ihr zusammen um für mich zu singen, alle - bis auf diejenigen, welche Tamas, also die Trägheit, so sehr umarmt, dass es nicht möglich ist zu kommen. „He Liebes, nicht schlimm, morgen früh klappt es bestimmt.“

 

Zeit für Arati…

Manche von euch sehen mir beim Singen direkt in die Augen. Ich frage mich ja schon immer: "Kannst du dabei mein Lächeln sehen?"

Andere halten beim Singen ihre Augen geschlossen und sehen mich mit ihrem Herzen an.

Und da drüben nickt einer immer wieder weg. „Liebes, warte kurz, ich setze mich direkt neben dich, so kannst du deinen Kopf auf meine Schulter legen, so schläft es sich gleich besser.“

 

Den restlichen Morgen verbringe ich, um auf euren Zungen und in euren Herzen zu tanzen oder in Stille mit euch zu verweilen… und ihr, ihr seid mit mir im Austausch, ihr chantet, singt, lest, schreibt, massiert, badet und bemalt mich. Und manchen darf ich nochmals meine Namen ins Ohr flüstern während der ein oder andere sich ein weiteres Stündchen schlaf gönnt.

 

Ich sehe auch dich, wie du in deinem Hüttli freudvoll meine Namen singst und dein Herz so luftig leicht und voller überfließender Liebe zu mir ist. „Liebes, so fühle ich auch!“

Und ich sehe dich, wie du voller Zweifel innerlich alles zusammenreißt, bis auf die Grundmauern. „Liebes, dir gebe ich den Vorschlaghammer in die Hand, ich feure dich an, damit am Ende kein Stein auf dem anderen, ja kein Stein einziger Stein, unberührt, bleibt.“ Zweifeln heißt Vertrauen. Vertrauen darauf, zweifeln zu dürfen. Oh du Wunderwerk, ich vertraue dir in deinen Zweifeln und du vertraust mir, denn dies gibt dir erst den Mut alles in Frage zu stellen.“

 

Oh, Da kommt ja schon mein Frühstück. Jeder von euch ist daran beteiligt gewesen. Da haben manche Unkraut gejätet, ein anderer hat Setzlinge gepflanzt, die Beete wurden vorbereitet, damit das Obst und Gemüse wachsen konnte, nochmal wer hat immer wieder darauf achtgegeben, dass die Sprenkelanlage läuft, ein anderer hat gedüngt und wieder jemand hat geerntet. Einer hat beim Lieferanten bestellt und ein paar haben den Heliflug organisiert, andere haben alles verräumt und nun hat jemand Müsli daraus gezaubert. Das Korn hat sich auch nicht von alleine gemahlen und auch nicht alleine mit der Hefe und allen anderen Zutaten vermengt. Der  Koch von gestern hat gebacken und so konnte heute ein wunderbares Brot aufgeschnitten werden. 

Dazu mussten Bäume gefällt und gespaltet werden, um im getrockneten Zustand gehackt zu werden. Dann erst holt das jemand von euch hinein zum Feuern. 

Und das Pünktchen auf dem i sind die sorgsam aufgezogenen Blümchen, welche mein Frühstück Tag für Tag noch etwas bunter gestalteten.

Ein Gemeinschaftswerk, welches ich mit großer Freude annehme.

 

 

Nach dem Frühstück für mich, ist vor dem Frühstück für dich…

Wenn du wüsstet, wie weit du für dieses Prasad, für diese geweihten Speisen, gereist bist, wie viele Welten du durchquert hast, wie viele Leben du durchlebt hast....

 

Du hast gekämpft, gebettelt, getötet und wurdest getötet, hast gewonnen um alles zu verlieren, hast gehasst und geliebt, hast mich vergessen und hast es ganz alleine versucht, hast mit Drachen gekämpft und bist durch Feuer gesprungen, warst am Boden, hast gelernt demütig zu sein, warst einst Wurm, lerntest fliegen, bist geschwommen und nun läufst du, setzt dich an diesen Tisch um Speisen zu Essen, welche meine Lippen berührten. Würde all dies in jeder Zelle deines Seins bewusst geworden sein, würdest du schreien, weinen, und dich auf dem Boden wälzen… 

 

Liebes, wann siehst du, fühlst du, begreifst du, dass es nicht meiner Gnade bedarf? Du ersäufst darin, Tag für Tag.

Manchmal möchte ich dich schütteln, „wach doch endlich auf“, verschlafe nicht diese eine Chance… 

Doch dann sehe ich dich an. Du Zauberwesen, wie sehr ich dich liebe, wie sehr du erwartet bist. So bleibe ich still, erfreue mich an deiner Freude, erfreue mich an dir, an deinen Bemühungen und sehe dir zu, beim endlosen Kreise ziehen… Kreise du nur, mein Liebes, kreise.... ich warte…

 

Bei der Lesung sitze ich bei euch, schenke dem Wasserträger, der das Wasser in eure Wüste trägt, Impulse, direkt aus der Quelle, stupse den ein oder anderen an um zu ermutigen, den genialen Gedankenblitz mit allen zu teilen, offenbare mich ganz leise im Herzen bei dir,  und lasse ich, dein Herzensraum größer werden. 

 

Am Nachmittag ist oft meine Schnelligkeit gefragt. Da nehmen meine Lieben nach der Lesung manchmal noch eine kleine Stärkung. Manchmal, da muss so eine Weihung schnell gehen, ratzfatz schlürfe ich die feine Trinkschokolade aus. Kann ich verstehen, dass es bei solch Leckereien schnell gehen muss. Und um ehrlich zu sein, da kann ich mich ja auch nicht zurückhalten. Zack, schon leergetrunken.

 

Die Sevazeit gestalte ich ganz individuell, mit jedem einzelnen von euch. Bin mit dabei beim Hüttli-Bau, spanne im Garten über dir einen Sonnenschirm um dich zu schützen, bin Impulsgeber für ein nächstes Projekt, schleiche mich ganz heimlich in dein Ohr, auf deine Zunge, in dein Herz und auf einmal ist der Heilige Name da, ohne dein bewusstes Zutun.

Ich bin Lastenträger, wenn du mich lässt. Bin deine Muse, wenn du dich öffnest. Bin Magier, denn ich puste einmal in die finsterste Wolke über dir und lasse dich nicht im Regen stehen. Bin dein bester Freund, habe große Ohren und ein noch größeres Herz. Und he, Liebes, ich bin ein Geschichten- und Weisheitenerzähler, manchmal ist es an dir, in der Stille zu verweilen, ganz im Stillen Raum um dann vielleicht, mit etwas Feingefühl meine Anwesenheit wahrzunehmen und meiner Geschichten zu lauschen.

 

In der Küche ist derweilen ein weiteres Zusammenspiel im Gange. Da wird Salat geraspelt, Gemüse geschnippelt, Wasser gekocht. Und immer wieder das Holz nachlegen nicht vergessen!

Liebes, wie sehr ich mich freue, wenn du vor deinem Wirken eine Minute inne hältst. Jeder von euch, hat dabei seinen ganz eigenen Weg gefunden mich im Herzen zu tragen, beim schnippeln, anrösten, backen und kochen. 

Manche kochen ganz in Stille, andere mit Kirtan oder Lesung und wieder andere mit klassischer Musik. Einer ladet andere mit zum helfen ein, ein anderer sperrt die Küche zu und ist lieber allein. 

Es gibt da kein Vorgehen, welches für alle passt, es gibt da keinen vorgegebenen Weg den es zu gehen gilt. Das mag ich an euch.

 

Liebes, es ist an dir, deinen eigenen Weg zu finden. Ich hab dir eine Machete in die Hand und einen Kompass in dein Herz gelegt. Es gibt Ratgeber, welche dich auf den Weg vorbereiten, dir sagen worauf du deinen Fokus legen darfst beim Beschreiten des Weges. Und dann gibt es da Landkarten, die den Weg der Anderen, die bereits zu mir gefunden haben, beschreiben. Nimm beides zur Hand, lese sie und lasse dich inspirieren. Du darfst auch versuchen, genau den gleichen Weg zu gehen, wie einst andere diesen Weg gegangen sind, doch prüfe, ob du dich am gleichen Standort, am gleichen Anfangspunkt, wie sie, befindest… 

 

Und prüfe dabei auch immer genau, ob bei diesen verschrifteten Wahrheiten nicht auch noch kulturelle Bedingtheit der jeweiligen Geschichts-Epoche hineingerutscht sind.

Das Abendessen nehme ich an meinen Lieblingsplätzen ein. 

Wenn ich dich dabei sehe, wie lieblich du mir das Essen darbringst, dann muss ich mich immer an den Moment zurückerinnern, den Moment des ersten Males. Liebes, du magst dich vielleicht gar nicht mehr an diesen Moment erinnern, als du das erste Mal deine Speise mir offeriertest, bevor du sie zu dir genommen hast. Doch für mich ist dieser Moment für immer im Herzen gespeichert. 

 

Am Abend versammelt ihr euch noch einmal ganz um mich. Manche sind bereits ein wenig früher im Tempelraum; andere sehen noch kleine Aufgaben und erledigen diese rasch, bevor sie sich dazu gesellen.

Doch da sitzt schon jemand ein ganzes Weilchen in Stille bei mir. Starrt mit nachdenklichem Blick auf mich. Fragt sich, wohin das denn alles führen wird. Wie es möglich sei, dass ein innerer Weg zugleich so freudvoll und so schmerzhaft sein kann. Fragt sich, ob es wirklich der eine, der seine Weg ist. „Bitte Gaura Gadadhara, wenn ihr das hört, ich flehe euch an, dieses eine Mal, ich brauche ein unmissverständliches Zeichen.“

Nun, da ist es an mir, ein kleiner Stups mit dem Fuß und blumps, da fällt auch schon die Blume vom Lotus, auf dem ich stehe.

Und dann höre ich es poltern, zig-tausend Steine fallen aufs mal von deinem Herzen ab. Liebes, ich bin da, ich höre dich, ich sehe dich, ich fühle dich, ich kenne dich…

 

Klagelieder und Wunschkonzerte sind nicht meine Art von Musik, welche mein Herz höher schlagen lassen. Genauso wie auch dein Herz dabei nicht höher schlagen wird.

Doch echte, innige Fleh-Momente, diese raren Momente des "Erschüttert-Seins", genauso wie die noch selteneren „Sich-bedingungslos-Schenken-Wollen“- Momente. Diese Kostbarkeiten sind für mich des Wartens wert. Diese Momente sind es, weshalb ich dir, deinen freien Willen gab. 

 

„Wenn zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, so bin ich mitten unter ihnen.“ und so verbringen wir gemeinsam die Abende, ihr singt, sprecht, lacht und mal hier und mal da findet eine Träne des Berührt-Seins, der Sehnsucht und der Liebe ihren Weg über dein Gesicht.

 

Manche verweilen noch ein Weilchen mit und bei mir, andere nehmen mich in ihren Herzen mit in ihr Hüttli. Doch früher oder später, hüllt sich der Berg ganz und gar in Stille. 

Und ich? Ich tanze im Mondschein…