Gemeinschaft als Weg in die Freiheit

 

Sangha wirklich tief verstanden ist nicht Zusammensein, sondern stellt eine ungeheure Herausforderung dar.

Im Gemeinschaftlichen besteht schnell die Gefahr, sich zu versozialisieren und den innersten Resonanzraum zuzuschütten. Sangha wird oft verstanden als eine Art, sich der Denkweise des Gemeinschaftlichen anzupassen. Dies nennt man ein Indoktrinations-Prozess.

Doch einfach nur im Alleine-Sein entgeht einem die Bereicherung der Begegnung mit dem Anderen, die Inspiration und auch das Auseinandersetzen mit dem, was nicht immer ganz kongruent ist mit der eigenen Weltanschauung.

Wirklich gemeinschaftsfähig ist nur der absolute Individualist, welcher es auch komplett alleine aushält und das Zusammensein nicht als Droge benützt, die innere Leere und Verlorenheit zu überbrücken.

 

Sangha lebt nicht als feste Form - nur im Einvernehmen der Menschen untereinander.

 

Sie hat keine Mitglieder - außer jenen, die sich zugehörig fühlen.

 

Sie hat keine Konkurrenz - denn sie wetteifert nicht.

 

Sie hat keinen Ehrgeiz - denn sie wünscht nur zu dienen.

 

Sie zieht keine Landesgrenzen - denn die Sehnsucht zum Grenzenlosen ist selbst grenzenlos.

 

Sie kapselt sich nicht ab - denn sie sucht alle Gruppen und Religionen zu bereichern.

 

Sie achtet alle Großen Lehrer aller Zeiten, welche die Wahrheit der Gottesliebe offenbarten.

 

Wer ihr angehört, übt die Wahrheit der Liebe mit seinem ganzen Sein.

 

Gemäss Narada Bhakti-Sutra (Vers 69) ist es dieses kostbare Prinzip, das heilige Orte erst zu heiligen Orten macht und heilige Schriften zu heiligen Schriften.  

 

Gemeinschaft ist nicht der ein Gleichschaltungs-Projekt, sich gegenseitig mit bestehenden Überzeugungen festzuhalten. Es stellt den aufrichtigen Versuch von wahrheitsliebenden Seelen dar, über das hinaus zu gehen, was sowohl der andere als auch ich selber bisher als richtig erachtete.

 

Gemeinschaft ist die Möglichkeit, voneinander gegenseitig zu lernen. Dazu ist es allerdings notwendig, dass man den Mut entwickelt, Kritik möglichst pointiert und klar zu formulieren. Traut man sich nicht, die Kritik unverblümt auszusprechen, weil man befürchten muss, den anderen zu verletzen, so reduziert diese falsche Rücksichtsnahme die eigene Chance, etwas wirklich Neues hinzuzulernen.

 

Damit eine spirituelle Gemeinscha dem Erwachen des gesamten, menschlichen Potenzials dienen kann, braucht es eine innere Verwirklichung zweier gegensätzlicher Themen, die sich gegenseitig bedingen: Gemeinschaft und Alleinsein.