Warum dieser Ashram?

Wir haben das Recht, innezuhalten, zu verweilen, sich den Raum zu geben, staunend über das Mysterium des Lebens nachzudenken. Wir sind in diese Schöpfung hineingesetzt worden mit einer wesentlichen Aufgabe. In ihrer Vernachlässigung entsteht existenzielle Unruhe.

Viele Menschen suchen heute nicht so sehr die organisierte, vorgekaute Routine von Konferenzen und Übungen, sondern eine Gelegenheit, still zu sein, nachzudenken und in ungezwungene, spontanen, freundschaftlichen Begegnungen die sie bewegenden Dinge besprechen.

Der stille Moment, in welchem wirkliche Ausrichtung geschieht, nimmt der Welt und den Umständen und Konstellationen in der Welt die Suggestion des Dauerhaften, Unveränderbaren und nimmt ihr das Gegenständliche und verflüssigt aller Erleben an der Oberfläche in sich ändernde zeitweilige Zustände, die unvermeidlich vorübergehend sind.

 

Wir haben diesen Ashram mit der Absicht ins Leben gerufen, hier einen Ort der Begegnung und der Meditation, Ausrichtung und Einkehr entstehen zu lassen.

 

Meditation ist nicht einfach nur eine Praxis, die am morgen vor der Arbeit geübt wird, sondern eine Daseinsform, die auch im Leben innerhalb der Welt legitimiert ist. Es geht nicht um Aufgeben von Dingen, sondern die neue Dimension des Lebens, die Transzendenz, Radha Govinda miteinzubeziehen. In der Meditation soll sich der Mensch seiner Zugehörigkeit zur Transzendenz inne werden, sie erleben. Sie soll unser Gemüt für die Erfahrung des Numinosen bereit machen.

Dem Jagdhund entgeht keine Fährte des Wildes, das seinen Weg kreuzt - einfach weil er in der Witterung ist - so soll eine Seele immer in der Witterung bleiben. Für das immer mögliche "Angerührt-werden" von der Einladung Sri Krishnas. Die Meditation ist eine Übung, in der diese Witterung ausgebildet wird. Dabei geht es also um die Entwicklung einer Geisteshaltung und nicht einmal so sehr darum, WAS man tut. Es ist also die Ausbildung eines neuen Organs. Meditation ist die Übung zur Durchlässigkeit für die latent in uns ruhende Wirklichkeit transzendenten Lebens. Sie meint Transparenz für Transzendenz, damit man die bewusste Fühlung mit seinem eigenen Wesen ermöglicht.

Durch diese innere Aufgeschlossenheit wird dann bald die nächste Eigenschaft gefordert: die Bereitschaft für alle Konsequenzen. Wir sind alle zur Transzendenz hin angelegt und sollten eigentlich zu ihr hin leben. Das erfordert ein neues Leben, in dem das ermöglicht wird und dieses neue Leben wird auch als der innere Weg beschrieben.

Meditation ist eine religiöse Übung, welche aus dem Geflecht des traditionellen und erfahrungsfeindlichen Glaubenslebens heraussondiert werden soll. Sie ist eine Verwandlungsübung - zu Krishna hin. Hier ist die Wirklichkeit von Geburt und Tod und die Meditation führt zu einer ganz anderen Wirklichkeit hin, jenseits von Leben und Tod, Sinn und Unsinn, Geborgenheit und Verlassenheit.

 

Der Aufenthalt im Ashram will nicht Flucht bieten für die Beschwerlichkeiten des Alltags und vor der Verunsicherung, sondern bietet Raum, der Einsicht des Geistes und der Berührtheit des Herzens zu folgen. Wir wollen ein Fest des Wagnisses, des Mitgefühls und der Freude feiern mit dem Nicht-Wissen, was geschehen wird und auch der Bereitschaft zu scheitern.

 

„Krishna

Ich habe keine Ahnung, wohin ich gehe.

Ich erkenne nicht, wohin der Weg mich führt.

Ich weiss nicht im Geringsten, wo er enden wird.

Ebenso wenig weiss ich, wer ich selber bin.

Und die Tatsache, dass ich denke, dass ich deinem Willen folge, bedeutet nicht, dass ich das auch wirklich tue.

Aber ich glaube, dass der Willen, dich zu erfreuen, dich tatsächlich erfreut.

Und ich hoffe, dass dieser Wunsch mehr und mehr mein Denken und Handeln ausfüllt.“

 

Wenn ein Mensch zu einem Ashram kommt, dann muss er sich ein Gewand aus Flicken nähen. Man hat einen Flicken, dann bekommt man vielleicht den nächsten geschenkt und fügt ihn an, erbettelt einen anderen und fügt auch den wieder an. Man weiss nie, wie das Gewand aussehen wird, sondern fügt einfach weitere Erkenntnisse dazu.

  •  Die Unvergänglichkeit seines Selbst
  • die Vergänglichkeit aller Phänomene
  • die Beständigkeit der Wirklichkeit
  • die Kostbarkeit der Erde, aller Wesen, der Existenz
  • die Verbundenheit von allen Geschöpfen
  • die Gleichzeitigkeit von Einheit und Vielheit (Unio und communio)
  • Die unabdingbare Notwendigkeit der Ausrichtung auf Wahrheit und Stille
  • Sich im Jetzt nicht von entfernten Idealen zerreissen lassen.
  • Die konstante Offenheit für den nächsten Schritt
  • Die erlebte Freiheit in der Hingabe zu Gott

Ein Ashram ist nicht da, um Probleme in einem zu lösen, sondern Gott, Sri Krishna, mitten aus den Problemen heraus zu loben.

Es geht nicht darum, seine Turbulenzen zu glätten, ungelöste Konflikte zu besänftigen oder unaufgeabeitete Probleme zu lösen, sondern sie vor Krishna hinzulegen und sich von Krishna relativieren zu lassen. Das löst die Bestimmung von aussen her. Ashram gewährt eine Gelassenheit inmitten einer Welt, in welcher so vieles ungelöst ist.

 

Also: Immer herzlich willkommen.

 

 

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