Es ist natürlich, dass in dieser Welt auch praktische Dinge erledigt werden dürfen. Auch im Ashram gibt es Tätigkeiten, die getan werden möchten.

 

Integration der täglichen Arbeit in den inneren Weg

 

Der Sinn des Lebens besteht darin, zu unserer wahren Natur hinzugelangen, als reine Seele Radha und Krishna zu dienen.

Wenn das so ist, wieso braucht es dann so ein äusseres Leben mit Arbeit und Körpererhalt?

Wenn man fragt, warum man arbeitet, gibt der moderne Mensch oft zur Anwort: „Weil ich muss“. Denn es existieren die Zwänge von Rechnungen-Zahlen, Nahrungseinkauf und Ausgaben für den Körpererhalt.

Was würde man tun, wenn man nicht mehr arbeiten müsste? Würde keinerlei Arbeit durch einem hindurch geschehen? Würde keinen Prozess des Ausdrucks von Kraft mehr durch einen hindurch geschehen?

Da ist eine Sehnsucht, sich dem Wahren und Wichtigen zu widmen. Doch genau in dieser Abtrennung zwischen Arbeit und Verinnerlichung resultiert viel Kampf und Krampf.


Es geht aber um Integration.

Das Verhältnis zu einem Prozess, den wir Arbeit nennen, hat oft etwas Zwanghaftes. Die Entfaltung der Kraft, das Werk, ist abgespalten von innerer Vertiefung in die Seele und in Radha-Krishna.

Doch diese Abspaltung stellen wir selber her.

Man erzeugt aktiv eine Trennung zwischen Selbstverankerung und praktischem Tun in der Welt.

Denn man glaubt, im inneren Leben könne man sein, wer man wirklich ist und in der Arbeit müsse man sich verbiegen, verstellen und sich falsche Selbstbilder zugestehen. Das ist Ausdruck mangelnder Bedingungslosigkeit. Man setzt selber Bedingungen, unter denen man dann glaubt, könne ein innerer Weg stattfinden. Beim Thema Arbeit weigert man sich oft, sich vollkommen als Seele zu fühlen.

Doch wenn man diese Bereitschaft zum Selbst in jedem Moment hat, zerfallen bestimmte bevorzugte Umstände und tiefer Friede durchzieht das das Arbeiten. Dieses Szenario hebt die gemachte Trennung auf und Weite und grosse Erleichterung ist die Folge. Jede Trennung und jede Abspaltung ist immer mentaler Natur; ist ein Akt des denkenden Geistes.

Natürlich gibt es einfachere und schwierigere Bedingungen. Und natürlich ist nicht jeder Moment von gleicher sakraler Intensität. Doch die selbst gesetzten Bedingungen für das innere Leben dürfen abgelegt werden, um die Erfahrung zu machen, dass die Freude sowohl in der Arbeit als auch in der Versenkung konstant Bestand hat.

Wenn man aus dieser Versöhnung heraus dann das Alltägliche verlässt und in ein Ashram, in eine Kirche oder in ein Kloster geht, um sich vollständig dem Gebet und der inneren Anrufung zu widmen, erhält man das Geschenk der Einkehr in die Musse.

 

Die innere Dringlichkeit fordert, alles, auch die Dinge, die in der Welt halt getan werden möchten, in den inneren Weg zu integrieren. Wir haben nicht mehr die Zeit, irgendetwas auszuklammern.

Die Trennung von „privat“ und mein leidenschaftliches Hobby und Arbeit wird dann als eine künstlich gezogene Grenze erkannt.

Die Arbeit darf ausgeführt werden nicht mehr mit einer Genugtuung, wenn sie erledigt ist, sondern ist in sich selbst ein wesentlicher Übungspunkt, sich als Seele einfach bereit zu stellen. Die Tätigkeit wird dann zu einem wundervollen Unterfangen, die Handlungen aus dem ichhaften Interesse zu lösen, wie z.B. die Hoffnung auf Lob und Anerkennung, Geld oder die Selbstbefriedigung, wenn man auf das Getane zurückschaut.

Im Zurücknehmen solcher Arbeits-Impulse beginnt man das Tun als eine Kraft  Gottes zu erkennen, die durch einen hindurch wirkt. In Wahrheit habe ich nie etwas vollbracht und bin zeitlebens ein Werkzeug Gottes (Bhagavad Gita 11.33).

 

 

 

Die innere Dringlichkeit fordert, alles, auch die Dinge, die in der Welt halt getan werden möchten, in den inneren Weg zu integrieren. Wir haben nicht mehr die Zeit, irgendetwas auszuklammern.

Die Trennung von „privat“ und mein leidenschaftliches Hobby und Arbeit wird dann als eine künstlich gezogene Grenze erkannt.

Die Arbeit darf ausgeführt werden nicht mehr mit einer Genugtuung, wenn sie erledigt ist, sondern ist in sich selbst ein wesentlicher Übungspunkt, sich als Seele einfach bereit zu stellen. Die Tätigkeit wird dann zu einem wundervollen Unterfangen, die Handlungen aus dem ichhaften Interesse zu lösen, wie z.B. die Hoffnung auf Lob und Anerkennung, Geld oder die Selbstbefriedigung, wenn man auf das Getane zurückschaut.

Im Zurücknehmen solcher Arbeits-Impulse beginnt man das Tun als eine Kraft  Gottes zu erkennen, die durch einen hindurch wirkt. In Wahrheit habe ich nie etwas vollbracht und bin zeitlebens ein Werkzeug Gottes (Bhagavad Gita 11.33).

 

 

 

Arbeit als Gottesdienst

 

"Ein Mensch erlangt Vollkommenheit, wenn er durch sein ihm bestimmtes Handeln den verehrt, aus welchem alle Lebewesen entstammen und welcher alle Existenz durchdringt." (BG 18.46)

 

Krishna schlägt uns hier vor, die Arbeit zu einem Gebet werden zu lassen:

"Mein lieber Parameshavara, von ganzem Herzen möchte ich Dir diese Arbeit darbringen." Wenn mein karma in dieser Stimmung getan wird, wird sie zu arcana, zu Verehrung.

 

Wenn wir die Arbeit als Gottesdienst tun und erkennen, dass Gott in und durch uns wirkt (BG 5.8-9), werden alle unsere Tätigkeiten zu verschiedenen Wirkungen des göttlichen Handelns und somit geheiligt.

Dann erfährt man eine Freude im Tun, die nicht aus der Tätigkeit in sich stammt, und es entsteht dadurch auch eine innere Ruhe, da nun nicht ständig das Tun geändert werden muss, um die latente Unzufriedenheit zu überbrücken.

 

"Wenn mein Geweihter alles Tun stets im Vertrauen auf mich vollzieht (selbst wenn er noch Anhaftung an sein Tun haben mag), erlangt er durch meine Gnade das ewige unvergängliche Reich." (BG 18.56)

 

Wenn all unser Handeln in der Grundhaltung der Selbsthingabe erfolgt, ist alles, was wir tun, durch Gottes Gnade getan. Wir können dann in allem und in jeder Situation vollkommene Freiheit finden, denn man ist in vollkommener Kommunion mit allem in Krishna.

 

"Für den, der unangehaftet gegenüber den Erscheinungen der Welt ist, und dessen Geist in tiefer Erkenntnis gründet, der all sein Handeln als Verehrung Krishnas vollzieht, für den schmilzt alles Handeln dahin. Er ist in einem Zustand des akarma, des Nichthandelns." (BG 4.23)

 

karma, das aus der Haltung des Yajna ausgeführt wird, schenkt Erkenntnis (jnana). Doch wie kann man nun alles Tun als eine Opferdarbringung erkennen?

 

"Man erkennt alles um einen herum als "nicht-verschieden" von dem, den ich verehren will und sieht, dass die ewige Welt und das, was dargebracht wird (sei es das eigene Handeln, Nahrung oder Besitz), von der gleichen spirituellen Natur ist." (BG 4.24)

 

Diese Einsicht besagt, dass alles vom Schöpfer kommt und zu ihm zurückkehren soll. Opfer ist das Gesetz des Universums. Nachdem alles von Vishnu gekommen ist, soll der Mensch nun den Ritus der Rückkehr vollziehen - und das Opfer ist die Handlung, in der die Mentalität eingeübt wird, alle Dinge wieder auf diesen Ursprung zurückzubeziehen. Auch die Arbeit soll nicht im Widerspruch zu diesem kosmischen Gesetz stehen - dann hilft mir die Arbeit in diese Zentriertheit zu gelangen und ich selber werde verbunden und erfüllt.

 

Wir denken heute meist, etwas zu opfern bedeute, etwas weg-und aufzugeben. Das ist nur der vordergründige Aspekt. Die tiefere Bedeutung ist, dass alles an Vishnu, und damit zum Ursprung zurückgegeben werden soll - und das tägliche Handeln ist die Bühne, auf der dieses Rückbeziehen in jedem Moment eingeübt werden soll. Jede Handlung wird heilig, wenn sie Gott geweiht ist. Das lateinische Wort für Opfer, "sacrificium", kommt von sacrum facere, wörtlich: heilig machen.

Das genaue Gegenteil davon ist die Sünde, denn Sünde ist das unrechtmässige Aneignen dessen, das "Sich-abtrennen" von dem, was von Gott kommt und ihm gehört. Wenn Arbeit aus dem Zusammenhang des Opfers, des Gottesdienstes isoliert wird, wird sie nur bindend, das heisst wir empfinden sie als ein Gegensatz zur "Freizeit".

 

"Wenn Arbeit nicht als Gottesdienst verrichtet wird, ist dasselbe Tun Ursache für Bindung an die materielle Welt.

Werde frei vom Wunsch nach dem Resultat deines Tuns und arbeite nur für Gottes Zufriedenstellung." (BG 3.9)

 

Besonders in der modernen Welt gibt es die starke Tendenz, die Natur als unser Eigentum zu betrachten, über welches wir verfügen können, wobei alles aus dem heiligen Zusammenhang herausgelöst wird. Das ist die universale Sünde.

Allerdings können die Rituale der Religion den Menschen auch zwanghaft fixieren, so das notwendiges Handeln unmöglich wird. Das ist die andere Seite der Sache, und sie ist ernst zu nehmen. Aber ebenso gefährlich ist es, alles aus dem Bereich des Heiligen herauszulösen. Letztlich soll sich menschliches Leben auf Gott, auf die jenseitige Wirklichkeit beziehen - das ist die Aufgabe des Opfers - des geheiligten Handelns.

 

"Besser als das Opfer von Dingen (das Entbehren von weltlichen Gütern) ist das Opfer der Erkenntnis, denn alles Tun soll nicht ausgeführt werden, um Zwecke zu bewerkstelligen, sondern in einem den Raum der Erkenntnis schaffen (dass nichts, nicht einmal die kleinste Bewegung unseres Körpers, unabhängig von Gott getätigt werden kann). (BG 4.33)

 

Alle äusseren Handlungen sollen der Höchsten Seele, Parameshvara, dargebracht werden. Auf diese Weise wird das äussere Handeln zum Ausdruck des inneren Lebens.

 

"Arbeit als Gottesdienst" löst in einem das grosse Spannungsfeld, in welchem wir alle immer wieder sind: das Hin-und Her zwischen Aktion und Kontemplation. Im Tun erwacht immer wieder die Sehnsucht nach Ruhe und Besinnung und im Verweilen merken wir erst, dass wir die Ruhe ja meistens gar nicht wollen und vermögen, dass da so viele Dränge uns immer wieder zur Aktivität hinbewegen.

Arbeit ist die Möglichkeit, sein eigenes Bewegen, die Dinge, die einen umgeben, die Mitmenschen und seine Interaktion mit all dem auf den letztlichen Ursprung hin beziehen zu lernen.