es ist natürlich, dass in dieser Welt auch praktische Dinge erledigt werden dürfen. Auch im Ashram gibt es Tätigkeiten, die getan werden möchten.

 

Integration der täglichen Arbeit in den inneren Weg

 

Die innere Dringlichkeit fordert, alles, auch die Dinge, die in der Welt halt getan werden möchten, in den inneren Weg zu integrieren. Wir haben nicht mehr die Zeit, irgendetwas auszuklammern.

Die Trennung von „privat“ und mein leidenschaftliches Hobby und Arbeit wird dann als eine künstlich gezogene Grenze erkannt.

Die Arbeit darf ausgeführt werden nicht mehr mit einer Genugtuung, wenn sie erledigt ist, sondern ist in sich selbst ein wesentlicher Übungspunkt, sich als Seele einfach bereit zu stellen. Die Tätigkeit wird dann zu einem wundervollen Unterfangen, die Handlungen aus dem ichhaften Interesse zu lösen, wie z.B. die Hoffnung auf Lob und Anerkennung, Geld oder die Selbstbefriedigung, wenn man auf das Getane zurückschaut.

Im Zurücknehmen solcher Arbeits-Impulse beginnt man das Tun als eine Kraft  Gottes zu erkennen, die durch einen hindurch wirkt. In Wahrheit habe ich nie etwas vollbracht und bin zeitlebens ein Werkzeug Gottes (Bhagavad Gita 11.33).

 

 

 

Arbeit als Gottesdienst

 

"Ein Mensch erlangt Vollkommenheit, wenn er durch sein ihm bestimmtes Handeln den verehrt, aus welchem alle Lebewesen entstammen und welcher alle Existenz durchdringt." (BG 18.46)

 

Krishna schlägt uns hier vor, die Arbeit zu einem Gebet werden zu lassen:

"Mein lieber Parameshavara, von ganzem Herzen möchte ich Dir diese Arbeit darbringen." Wenn mein karma in dieser Stimmung getan wird, wird sie zu arcana, zu Verehrung.

 

Wenn wir die Arbeit als Gottesdienst tun und erkennen, dass Gott in und durch uns wirkt (BG 5.8-9), werden alle unsere Tätigkeiten zu verschiedenen Wirkungen des göttlichen Handelns und somit geheiligt.

Dann erfährt man eine Freude im Tun, die nicht aus der Tätigkeit in sich stammt, und es entsteht dadurch auch eine innere Ruhe, da nun nicht ständig das Tun geändert werden muss, um die latente Unzufriedenheit zu überbrücken.

 

"Wenn mein Geweihter alles Tun stets im Vertrauen auf mich vollzieht (selbst wenn er noch Anhaftung an sein Tun haben mag), erlangt er durch meine Gnade das ewige unvergängliche Reich." (BG 18.56)

 

Wenn all unser Handeln in der Grundhaltung der Selbsthingabe erfolgt, ist alles, was wir tun, durch Gottes Gnade getan. Wir können dann in allem und in jeder Situation vollkommene Freiheit finden, denn man ist in vollkommener Kommunion mit allem in Krishna.

 

"Für den, der unangehaftet gegenüber den Erscheinungen der Welt ist, und dessen Geist in tiefer Erkenntnis gründet, der all sein Handeln als Verehrung Krishnas vollzieht, für den schmilzt alles Handeln dahin. Er ist in einem Zustand des akarma, des Nichthandelns." (BG 4.23)

 

karma, das aus der Haltung des Yajna ausgeführt wird, schenkt Erkenntnis (jnana). Doch wie kann man nun alles Tun als eine Opferdarbringung erkennen?

 

"Man erkennt alles um einen herum als "nicht-verschieden" von dem, den ich verehren will und sieht, dass die ewige Welt und das, was dargebracht wird (sei es das eigene Handeln, Nahrung oder Besitz), von der gleichen spirituellen Natur ist." (BG 4.24)

 

Diese Einsicht besagt, dass alles vom Schöpfer kommt und zu ihm zurückkehren soll. Opfer ist das Gesetz des Universums. Nachdem alles von Vishnu gekommen ist, soll der Mensch nun den Ritus der Rückkehr vollziehen - und das Opfer ist die Handlung, in der die Mentalität eingeübt wird, alle Dinge wieder auf diesen Ursprung zurückzubeziehen. Auch die Arbeit soll nicht im Widerspruch zu diesem kosmischen Gesetz stehen - dann hilft mir die Arbeit in diese Zentriertheit zu gelangen und ich selber werde verbunden und erfüllt.

 

Wir denken heute meist, etwas zu opfern bedeute, etwas weg-und aufzugeben. Das ist nur der vordergründige Aspekt. Die tiefere Bedeutung ist, dass alles an Vishnu, und damit zum Ursprung zurückgegeben werden soll - und das tägliche Handeln ist die Bühne, auf der dieses Rückbeziehen in jedem Moment eingeübt werden soll. Jede Handlung wird heilig, wenn sie Gott geweiht ist. Das lateinische Wort für Opfer, "sacrificium", kommt von sacrum facere, wörtlich: heilig machen.

Das genaue Gegenteil davon ist die Sünde, denn Sünde ist das unrechtmässige Aneignen dessen, das "Sich-abtrennen" von dem, was von Gott kommt und ihm gehört. Wenn Arbeit aus dem Zusammenhang des Opfers, des Gottesdienstes isoliert wird, wird sie nur bindend, das heisst wir empfinden sie als ein Gegensatz zur "Freizeit".

 

"Wenn Arbeit nicht als Gottesdienst verrichtet wird, ist dasselbe Tun Ursache für Bindung an die materielle Welt.

Werde frei vom Wunsch nach dem Resultat deines Tuns und arbeite nur für Gottes Zufriedenstellung." (BG 3.9)

 

Besonders in der modernen Welt gibt es die starke Tendenz, die Natur als unser Eigentum zu betrachten, über welches wir verfügen können, wobei alles aus dem heiligen Zusammenhang herausgelöst wird. Das ist die universale Sünde.

Allerdings können die Rituale der Religion den Menschen auch zwanghaft fixieren, so das notwendiges Handeln unmöglich wird. Das ist die andere Seite der Sache, und sie ist ernst zu nehmen. Aber ebenso gefährlich ist es, alles aus dem Bereich des Heiligen herauszulösen. Letztlich soll sich menschliches Leben auf Gott, auf die jenseitige Wirklichkeit beziehen - das ist die Aufgabe des Opfers - des geheiligten Handelns.

 

"Besser als das Opfer von Dingen (das Entbehren von weltlichen Gütern) ist das Opfer der Erkenntnis, denn alles Tun soll nicht ausgeführt werden, um Zwecke zu bewerkstelligen, sondern in einem den Raum der Erkenntnis schaffen (dass nichts, nicht einmal die kleinste Bewegung unseres Körpers, unabhängig von Gott getätigt werden kann). (BG 4.33)

 

Alle äusseren Handlungen sollen der Höchsten Seele, Parameshvara, dargebracht werden. Auf diese Weise wird das äussere Handeln zum Ausdruck des inneren Lebens.

 

"Arbeit als Gottesdienst" löst in einem das grosse Spannungsfeld, in welchem wir alle immer wieder sind: das Hin-und Her zwischen Aktion und Kontemplation. Im Tun erwacht immer wieder die Sehnsucht nach Ruhe und Besinnung und im Verweilen merken wir erst, dass wir die Ruhe ja meistens gar nicht wollen und vermögen, dass da so viele Dränge uns immer wieder zur Aktivität hinbewegen.

Arbeit ist die Möglichkeit, sein eigenes Bewegen, die Dinge, die einen umgeben, die Mitmenschen und seine Interaktion mit all dem auf den letztlichen Ursprung hin beziehen zu lernen.