War Hitler Vegetarier?

 

 

"Hitler war kein Vegetarier", zeigt der Korrespondent Richard Schwartz, Autor von „Judaism and Vegetarism“ auf. Er lebte nur gelegentlich vegetarisch, doch allein aus kurativem Grund; gegen seine exzessive Schweißabsonderung und seine Blähneigung. Seine gewöhnliche Ernährung war absolut fleischorientiert. 

Die Hitler-Biographen Robert Payne, Albert Speer und andere sprechen alle von Hitlers Vorliebe für Bayerische Würste, Schinken, Leber sowie Hähnchen.

 

Darüber hinaus hätte er es sicher nicht versäumt und der deutschen Bevölkerung eine fleischfreie Ernährung verordnet - immerhin hätte er damit die Nahrungsmittel-Knappheit im II. Weltkrieg bewältigt. Unter der Überschrift: "Er liebte seine Fleischknödel", zitiert ein anderer Schreiber eine Passage aus einem Kochbuch, das von Dione Lucas, der europaweit anerkannten Chefköchin, geschrieben wurde. Sie ist Augenzeugin gewesen von Hitlers Fleischverzehr. In ihrem Feinschmecker-Kochbuch (1964) bezieht sich Lucas auf ihre Erfahrungen als Köchin in einem Hamburger Hotel in den 30er Jahren. 

Sie erinnert sich, wie sie oft gerufen wurde, um für Hitler sein Lieblingsgericht zu kochen. Und das war kein vegetarisches Gericht. "Ich möchte Ihnen nicht den Appetit für gefülltes Geflügel verderben, aber es wird Sie interessieren, dass Hitler ein großer Liebhaber von gefülltem Geflügel gewesen ist. Aber bitte, es handelt sich nichts desto trotz um ein vorzügliches Rezept." 

Allein schon Robert Paynes tief recherchierte Biographie über Hitler, "The Life and Death of Adolf Hitler", stellt Hitlers Vegetarismus massive Fakten entgegen. Nach Payne ist der Vegetarismus von Hitler eine von Propaganda-Minister Goebbels produzierte Vision. Diese allein sollte Hitler die Aura eines revolutionären Asketen, eines faschistischen Gandhis geben. 

 

Der Hitler-Biograf Robert Payne hält das Bild vom vegetarischen, nicht rauchenden und auch sonst asketisch lebenden Führer für ein Propagandakonstrukt, das Goebbels kreiert hatte. Denn in dieser Zeit war ein Politiker, der diese Tugenden verkörperte, sehr populär: Gandhi. Goebbels wollte somit ausdrücken, dass hier so jemand wie ein zweiter Gandhi agiere. 

 

Hitlers Asketismus spielte eine wichtige Rolle für sein Image in Deutschland, sein Image, wie Goebbels es in seinem Kopf geplant hatte. Ganz im Sinne der Legende, dass Hitler weder rauchte noch trank, kein Fleisch aß und keine Frauengeschichten hatte. Die Wirklichkeit sieht auch hier ganz anders aus. Hitler trank Bier und häufig verdünnten Wein, er hatte eine besondere Vorliebe für Weisswürste und hielt sich eine Mätresse, Eva Braun. Sie lebte ruhig mit dem Führer auf dem Berghof. Es hat aber noch weitere diskrete Affären mit Frauen gegeben. Seine Askese war nichts weiter als von Goebbels erfunden. Das diente allein dazu, Hitlers absolute Hingabe für die Nation, seine Selbstkontrolle, seine Zurückhaltung, die ihn von anderen Personen distanzierte, zu dokumentieren. Bei derart weitreichender Askese, konnte er für sich beanspruchen, dass er sich ganz dem Dienste für das Volk widmete. Tatsächlich aber war er sich selbst gegenüber sehr nachsichtig und besaß keinerlei asketische Neigungen. 

Fleisch hat Hitler bevorzugt in Form von Weisswürsten gegessen. Er ass keinen Fisch, jedoch gerne Kaviar. Er war Kenner guter Süssigkeiten, wie kristallisierter Früchte und Sahne-Kuchen; solche Sachen konsumierte er in erstaunlicher Menge. Tee und Kaffee genoss er in großen Mengen mit sehr viel Zucker und Sahne. Kein Diktator hat jemals mehr Süssigkeiten verschlungen als er. Da Nicht-VegetarierInnen häufig nur eine vage Vorstellung davon haben, was vegetarisch ist, denken sie, dass Leute wie Hitler, die Kavier, Tauben und Würste essen, Vegetarier sind. Mit solchen Kriterien sind sogar Schakale und Hyänen, die neben Aas auch Früchte und Gemüse essen, Vegetarier. 

 

Biographisches Material über Hitlers angeblichen oder tatsächlich belegten Vegetarismus ist widersprüchlich. Er wurde manchmal als Vegetarier bezeichnet, obwohl bekannt war, dass er Weißwürste, Leberknödel, Kaviar und manchmal Schinken liebte. Auf der anderen Seite wird nirgends erwähnt, dass er "rotes Fleisch" besonders mochte. Sein angeblicher Vegetarismus wird meistens erwähnt zusammen mit seiner Askese. So zum Beispiel am 14. April 1996 in der Sonntagsausgabe zum 100 jährigen Bestehen der New York Times. Da wurde ein Artikel über Hitlers Ernährung abgedruckt, der erstmals am 30. Mai 1937 erschienen war: Zu Hause mit dem Führer. 

"Es ist allgemein bekannt, dass Hitler Vegetarier ist, nicht trinkt und nicht raucht. Seine Mahlzeiten bestehen daher in erster Linie aus Suppen, Eiern, Gemüse und Mineralwasser, gelegentlich jedoch ergänzt er seine langweiligen Mahlzeiten mit Weißwürsten, Kaviar oder auch mal einer Scheibe Schinken." 

 

Wenn Hitler tatsächlich Vegetarier gewesen wäre, dann hätte er weder im Deutschen Reich noch in den besetzten Ländern alle Vegetarier-Organisationen verboten. 

 

Darüber hinaus: Im Dritten Reich war es Vegetariern verboten, sich zu organisieren oder neue Publikationen herauszubringen. Ein führendes vegetarisches Magazin, die „Vegetarische Warte“, musste ihr Magazin in Frankfurt 1933 einstellen. 

Ein konkurrierendes Magazin, die „Vegetarische Presse“, wurde in entschärfter Version während der Nazi-Diktatur geduldet, allerdings drastisch zensiert: So war es unter anderem verboten, den Begriff "vegetarische Bewegung" zu verwenden. Außerdem durften weder Ort noch Zeit der Treffen der Vegetarier veröffentlicht werden. 

 

Als Kanzler hat Hitler nichts getan, um den Vegetarismus in Deutschland zu fördern. Rein gar nichts. Mit einem leichten Federstrich seines Federhalters hätte er die vegetarische Ernährung zur gesetzlich vorgeschriebenen Ernährungsweise im Land machen können. Stattdessen unterließ er nichts, der vegetarischen Bewegung entgegenzuarbeiten. 

 

Selbst wenn Hitler Vegetarier gewesen wäre, so würde ihn das noch nicht von der Last befreien, einer der grössten Kriegsverbrecher der Geschichte zu sein. 

 

Wenn jemand Vegetarier ist, ist er alleine dadurch sicherlich noch nicht ein gerechter Mensch. Aber wenn jemand noch kein Vegetarier ist, so verübt er sicherlich Unrecht.